Vierteljahreshefte zur Arbeits- und Wirtschaftsforschung
Vol. 4, H. 3 (2027)
Einfacharbeit in Dienstleistungen
Themenheft der Vierteljahreshefte zur Arbeits- und Wirtschaftsforschung (VAW)
Herausgegeben von Guido Becke und Peter Bleses
Nahezu ein Fünftel aller Erwerbstätigen in Deutschland sind in Einfacharbeit tätig, d.h. sie üben Arbeitstätigkeiten aus, für die keine einschlägige berufliche Fachqualifikation erforderlich ist; inzwischen ist das Gros der Beschäftigten in Einfacharbeit im Dienstleistungssektor tätig. Die Arbeitsforschung hat sich lange Zeit überwiegend auf Facharbeit und (hoch) qualifizierte Angestelltenarbeit konzentriert. Forschungserkenntnisse zur Einfacharbeit beziehen sich primär auf den Produktions- und deutlich weniger auf den Dienstleistungsbereich. Dort sind empirisch unterschiedliche Landschaften der Einfacharbeit vorzufinden, etwa in sozialen und gesundheitsbezogenen Dienstleistungen (z. B. Pflegehilfs- und -assistenzkräfte), der Logistik und den Lieferdiensten, im Einzelhandel, im Reinigungsge - werbe oder in der Öffentlichen Verwaltung. Beschäftigte in Einfacharbeit erbringen zu einem Gutteil gesellschaftlich notwendige Dienstleistungen, deren komplexe Tätigkeitsanforderungen aber häufig unsichtbar bleiben (z. B. Anforderungen an Interaktionsarbeit) und nicht zuletzt dadurch eine zu geringe gesellschaftliche Anerkennung erhalten.
Einfacharbeit im Dienstleistungssektor ist auf der einen Seite bei aller Vielfalt ihrer Arbeitsformen mit strukturellen Herausforderungen konfrontiert, die sich u.a. aus der Digitalisierung der Arbeit, der Prekarisierung von Einfacharbeit, ihrer unzureichenden gesellschaftlichen Anerkennung sowie der vergleichsweise hohen psycho-physischen Vulnerabilität von Beschäftigten in Einfacharbeit ergeben. Auf der anderen Seite wird Einfacharbeit im Dienstleistungssektor auch als ein ,Reservoir‘ zur Lösung des Fachkräftemangels betrachtet, etwa durch arbeitsmarktpolitische Angebote zur Kompetenzentwicklung und Qualifizierung.
Das Schwerpunktheft zielt darauf ab, den Blick für die Landschaften der Einfacharbeit im Dienstleistungssektor zu schärfen. Die Vielfalt von Einfacharbeit und deren Herausforderungen im Dienstleistungssektor ist aus der Perspektive der Arbeitsforschung und der Forschung zur Arbeitspolitik näher in den Blick zu nehmen, um arbeits- und gesundheitspolitische Handlungsbedarfe zu identifizieren.
Vor diesem Hintergrund heißen wir vorwiegend empirische Beitragsangebote willkommen, die sich unter anderem auf die folgenden Themenfelder zur Einfacharbeit im Dienstleistungssektor beziehen:
- Einfache Dienstleistungsarbeit in der Perspektive sozialer und gesundheitlicher Ungleichheit,
inklusive arbeits- und sozialpolitischer Handlungsansätze - Soziale und gesundheitliche Vulnerabilität von Beschäftigten in einfacher Dienstleistungsarbeit
- Soziale Mechanismen und Prozesse der Herstellung der Unsichtbarkeit einfacher Dienstleistungsarbeit
und ihrer Arbeitsanforderungen - Anerkennung und Interessenvertretung von Beschäftigten in Einfacharbeit
- Kompetenzentwicklung und Qualifizierung innerhalb einfacher Dienstleistungsarbeit und in Richtung
qualifizierter Berufsarbeit - Erwerbsbiografische Brüche und Kontinuitäten von Beschäftigten in einfachen Dienstleistungen
- Methodologische und konzeptionelle Besonderheiten der Erforschung von Einfacharbeit in Dienstleistungen
(im Vergleich zur Facharbeit)
Einreichung von Beiträgen
Autorinnen und Autoren, die gerne einen Aufsatz beisteuern möchten, schicken bitte sobald wie möglich, aber nicht später als bis zum 1. Oktober 2026 eine kurze Skizze zum geplanten Beitrag (etwa 1/2 Seite) an die Herausgebenden – Guido Becke (becke@uni-bremen.de) und Peter Bleses (pbleses@uni-bremen.de) – sowie an die Redaktion, also Mareike zum Felde ( vaw@uni-bremen.de). Die Rückmeldung erfolgt bis zum 31. Oktober 2026.
Wir akzeptieren englisch- und deutschsprachige Beiträge. Die fertigen Manuskripte, die eine Gesamtlänge von 10 bis 15 Seiten (30 000 bis 40 000 Zeichen, inklusive Leerzeichen, aber ohne Abstract) nicht überschreiten sollen, müssen bis zum 1. März 2027 eingereicht werden. Es schließt sich ein maximal zweistufiger Peer-Review- und Überarbeitungsprozess an. Nach den Reviews ist das finale Manuskript bis zum 1. Juni 2027 einzureichen.
Die Texte können nur im Word-Format eingereicht werden. Abbildungen benötigen wir als separate Dateien und in reproduktionsfähiger Qualität. Das Schwerpunktheft „Einfacharbeit in Dienstleistungen“ der Vierteljahreshefte zur Arbeits- und Wirtschaftsforschung soll voraussichtlich im September 2027 erscheinen.
Zu den Vierteljahresheften zur Arbeits- und Wirtschaftsforschung (VAW)
Die Vierteljahreshefte zur Arbeits- und Wirtschaftsforschung (VAW) https://www.duncker-humblot.de/zeitschrift/vierteljahreshefte-zur-arbeits-und-wirtschaftsforschung-vaw-30 greifen aktuell wichtige Themen der Wirtschaftspolitik sowie der Arbeitsmarktentwicklung, auf und beleuchten sie aus einer angewandt wissenschaftlichen Perspektive.
Dieser Leitidee verpflichtet, bündeln die VAW die Analysen der anwendungsorientierten Forschung zu arbeits- und wirtschaftspolitischen »Baustellen« sowie zu zentralen Zukunftsfragen in einem Themenband. Deutschsprachige und internationale Forscherinnen und Forscher kommen zu Wort. Neben der Anwendungs- und Praxisorientierung sieht sich die Zeitschrift auch den Zielen von Pluralität, Wissenstransfer und Relevanz verpflichtet. In der Tradition der früheren Vierteljahreshefte zur Wirtschaftsforschung stehend, zielen die Vierteljahreshefte zur Arbeits- und Wirtschaftsforschung (VAW) darauf, Orientierungshilfe zu komplexen wirtschaftspolitischen Themen zu geben.
Arbeitsbezogene Thematiken wie Arbeitskraftnachfrage, Aus- und Weiterbildung oder auch spezifische Aspekte der Personalpolitik werden dabei ebenso betrachtet, wie Finanz- und Transformationsthemen. Auch in Zukunft ist es das Ziel, in den genannten Bereichen neue Perspektiven und praxisorientierte Lösungsoptionen aufzuzeigen.
Ein besonderer Anreiz für die Publikation in der VAW ist für einige vielleicht auch, dass sie Dank der Förderung der ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft seit 2025 im Diamant Open Access erscheint. Damit entstehen den Autor:innen keine Kosten und für Leser:innen sind die Artikel frei verfügbar.




