Aufwertungsoptionen und -konflikte bei "systemrelevanten" Berufsgruppen

Tarifpolitik reflektiert gesellschaftliche Normen und Bewertungen über Tätigkeiten und Berufe. Untersucht wird deshalb, ob und in welcher Form sich in der Folge der Pandemie wachsendes Ansehen und steigende Wertschätzung bestimmter Berufsgruppen durch Politik und Öffentlichkeit in einer realen Aufwertung von Sozialprestige und Entlohnung ausdrücken. Aus der Gesamtheit der unter Corona-Bedingungen als systemrelevant definierten Berufe werden Berufsgruppen ausgewählt, die bislang ein besonders niedriges Sozialprestige und eine deutlich unterdurchschnittliche Bezahlung aufwiesen. In empirischen Kurzfallstudien werden dazu mittels Interviews und Expert:innen­gesprächen einerseits die Verarbeitung von Krisenerfahrungen bei Arbeitnehmer:innen und Arbeitgeber:innen und daraus erwachsende Ansprüche erfragt. Andererseits werden institutionelle, soziale und ökonomische Spielräume für mittel- bis längerfristige Aufwertungsmaßnahmen durch eine Branchenstudie zu den spezifischen Entlohnungs-/Gratifikationsbedingungen für die betref­fenden Berufe ermittelt. Ziel des Vorhabens ist es, für „systemrelevante“ Berufsgruppen Optionen für eine Aufwertung in der Zukunft zu identifizieren, die den normativen und lebensweltlichen Veränderungen durch die Corona-Krise gerecht werden könnten. Derartige Optionen könnten auf der Ebene des Betriebes, aber auch auf der Ebene der Tarifpartner oder der Akteure der staatlichen Arbeits- und Sozialpolitik liegen. Insofern zielt das Vorhaben auch darauf ab, sozialpolitische Strategien und Instrumente zu identifizieren, die im Rahmen einer Aufwertungsstrategie für systemrelevante Berufe geeignet erscheinen, mögliche Konfliktpotentiale und gesellschaftliche Spaltungen im Zusammenhang mit den durch die Krise offengelegten sozialen Ungleichheiten zu verringern.



Duration:
01 July 2021 - 31 December 2021

Research Team:
Prof. Dr. Günter Warsewa, Dipl. Sozw. (Head of project)
Dipl. Sozialwiss. Andreas Friemer